hopefish.de

Gab es Jesus wirklich?

· Autor: Thomas · Lesezeit: ca. 7 Min.

Auch außerbiblische Quellen belegen, dass Jesus von Nazareth wirklich gelebt hat. Römische und griechische Aufzeichnungen haben Parallelen zur Bibel. Die ersten Christen waren sich über Jesu’ Leben so sicher, dass sie trotz Verfolgung zu ihrem Glauben standen.

Nach dem heutigen Stand ist sich die Geschichtsforschung im Großen und Ganzen einig, dass Jesus von Nazareth als historische Person tatsächlich gelebt hat. Es existieren einige außerbiblische Quellen, die zwar weniger bekannt sind als die Bibel selbst, die aber bestätigen, dass Jesus nicht einfach eine christliche “Erfindung” gewesen ist.

Neben den Quellen, die ich in diesem Artikel vorstelle, gibt es noch weitere, die in der heutigen historischen Forschung als mehr oder weniger zuverlässig eingestuft werden. Manche gelten als Fälschungen. Daher beschränke ich mich hier auf drei Quellen, die aktuell als relativ gesichert angenommen werden.

Diese Quellen sind aus der Außenperspektive geschrieben und beweisen nicht, dass Jesus auch Gott ist. Sie weisen aber darauf hin, dass die Aussagen der Bibel nicht rein metaphorisch gemeint sein können, sondern sich die Ereignisse um Jesus und die ersten Christen tatsächlich in unserer wirklichen Welt abgespielt haben.

Publius Cornelius Tacitus

Tacitus war ein Politiker und Geschichtsschreiber im römischen Reich. Über Jesus und die ersten Christen schreibt er im Zusammenhang mit dem großen Brand in Rom, der im Jahr 64 passierte, Folgendes:

Dieser Name [Christiani] stammt von Christus, der unter Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war. Dieser verderbliche Aberglaube war für den Augenblick unterdrückt worden, trat aber später wieder hervor und verbreitete sich nicht nur in Judäa, wo er aufgekommen war, sondern auch in Rom, wo alle Greuel und Abscheulichkeiten der ganzen Welt zusammenströmen und geübt werden.

(zitiert nach: Gerd Theißen und Annette Merz: Der historische Jesus. Ein Lehrbuch, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1996, S. 89)

Als sich der damalige römische Kaiser Nero mit Vorwürfen konfrontiert sieht, den Brand in Rom selbst gelegt zu haben, will er stattdessen den Christen die Schuld in die Schuhe schieben, um von sich selbst abzulenken.

Tacitus hält die damaligen Christen zwar nicht für Brandstifter, übernimmt aber die damals gängigen Vorurteile, wonach das Christentum als Aberglaube galt. Trotz seiner ablehnenden Haltung stellt Tacitus die wesentlichen Gegebenheiten nicht infrage.

Sein Bericht zeigt folgende Parallelen zur biblischen Überlieferung:

Kernaussagen Bibelstellen
Der als “Christus” bekannte Jesus existierte tatsächlich und wurde hingerichtet. Matthäus 27,35 · Markus 15,25 · Lukas 23,33 · Johannes 19,18 · Apostelgeschichte 2,36
Der Befehl zur Hinrichtung ging von Pontius Pilatus aus, der unter Kaiser Tiberius wirkte. Matthäus 27,2 · Markus 15,1 · Lukas 23,1 · Johannes 18,29 und Lukas 3,1
Der christliche Glaube begann in Judäa. Matthäus 2,1 · Apostelgeschichte 1,8
Die ersten Christen wurde durch Verfolgung unterdrückt. Matthäus 10,18 · Apostelgeschichte 22,4 · 2. Timotheus 3,12
Der christliche Glaube verbreitete sich in der antiken Welt bis nach Rom. Apostelgeschichte 28,16 · Römer 1,7 · 2. Timotheus 1,17

Tacitus bestätigt damit die Kreuzigung von Jesus als historische Tatsache, ordnet sie in einen zeitlichen und geografischen Kontext ein, und stellt den Zusammenhang zwischen Jesus und dem Glauben der ersten, nun sogenannten “Christen” fest.

Plinius der Jüngere

Plinius war ebenfalls römischer Politiker und zudem Jurist. In seiner Tätigkeit um das Jahr 111 musste er sich mit einer zunehmenden Anzahl von Anzeigen gegen Christen befassen. In einem Brief fragt er deshalb den Kaiser Trajan um Rat und schildert ihm dabei sein Vorgehen mit den Angeklagten:

Ich fragte sie, ob sie Christen seien. Gestanden sie, fragte ich sie ein zweites und drittes Mal unter Androhung der Todesstrafe. Blieben sie hartnäckig, ließ ich sie (zum Tod) abführen. […]
Denen, die bestritten, Christen zu sein oder gewesen zu sein, sprach ich die Formel vor und ließ sie die Götter anrufen und zu deinem Standbild, das ich zu diesem Zweck zusammen mit Götterbildern holen ließ, mit Weihrauch- und Weinspenden beten und außerdem den Christus lästern. Daraufhin konnten sie meines Erachtens freigelassen werden. Denn zu all dem sollen sich wahre Christen nicht zwingen lassen.

(zitiert nach: Hans Conzelmann: Geschichte des Urchristentums, 2. Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1971, S. 151)

Seinen Eindruck von Christen, die behaupten, sich vom Glauben abgewandt zu haben, beschreibt er so:

Sie versicherten, ihre ganze Schuld oder ihr Irrtum habe darin bestanden, daß sie sich regelmäßig an einem bestimmten Tag vor Tagesanbruch versammelten. Sie brachten im Wechselgesang Christus als (ihrem) Gott ein Lied dar und verpflichteten sich durch Eid, nicht etwa zu einem Verbrechen, sondern zur Unterlassung von Diebstahl, Raub, Ehebruch, Treulosigkeit, Unterschlagung von anvertrautem Gut. Darauf seien sie regelmäßig auseinandergegangen; sie seien wieder zusammengekommen, um eine Mahlzeit einzunehmen, jedoch eine gewöhnliche und unschuldige.

Hans Conzelmann merkt dazu an, den Christen sei damals unter anderem Kannibalismus und Inzest vorgeworfen worden, weshalb die gemeinsame Mahlzeit hier als “gewöhnlich und unschuldig” beschrieben wird.

Da Plinius aber ganz sicher gehen will, foltert er zwei Frauen, um dadurch die Wahrheit über ihren Glauben zu erfahren, und kommt danach zu dem Schluss:

Ich fand nichts als verschrobenen, maßlosen Aberglauben.

Dass er sich in der Sache extra an den Kaiser wendet, begründet Plinius schließlich mit der großen Anzahl an Angeklagten:

Mir schien eine Anfrage angebracht, besonders wegen der großen Zahl der Angeklagten. Denn viele jeden Alters, jeden Standes, auch beiderlei Geschlechts kommen vor Gericht und werden kommen. Denn nicht nur über die Städte, sondern auch über die Dörfer und das flache Land hat sich die Seuche dieses Aberglaubens verbreitet.

Am Brief von Plinius sehen wir, dass zur damaligen Zeit definitiv eine christliche Gemeinde existierte und deren Anhänger ihren Glauben trotz der unmittelbaren Verfolgung, die bis zur Todesstrafe führen konnte, bezeugten.

Plinius’ Brief zeigt dabei folgende Parallelen zur biblischen Überlieferung:

Kernaussagen Bibelstellen
Wahre Christen bleiben Jesus auch in der Verfolgung treu. Matthäus 10,22 · Apostelgeschichte 7,59 · 2. Korinther 12,10 · 1. Petrus 4,16
Der christliche Glaube schließt den Glauben an andere Götter aus. 2. Mose 20,3 · 5. Mose 5,7 · Johannes 14,6 · Apostelgeschichte 4,12
Die Christen versammeln sich regelmäßig an einem bestimmten Wochentag. Apostelgeschichte 2,42 · Hebräer 10,25 und Apostelgeschichte 20,7 · 1. Korinther 16,2
Sie verehren Jesus mit Liedern. Epheser 5,19 · Kolosser 3,16
Der christliche Glaube impliziert einen bestimmten ethisch-moralischen Standard. 1. Korinther 5,11 · 1. Timotheus 1,9-10
Bei den Zusammenkünften findet eine Mahlzeit statt. Apostelgeschichte 2,42 · Apostelgeschichte 2,46 · 1. Korinther 11,23-26
Christen gibt es in allen Altersgruppen. 1. Korinther 7,8 · Kolosser 3,20 · 1. Timotheus 5,1-2
Unter den Christen sind Männer und Frauen. Lukas 8,1-3 · Apostelgeschichte 12,12 · Apostelgeschichte 21,9 · 2. Timotheus 4,19 · Philemon 1,1-2

Die Schilderungen von Plinius offenbaren also weitere Details über die Glaubenspraxis der ersten Christen. Diese decken sich in wesentlichen Punkten mit den Berichten und Ermahnungen der ersten Christen in der Bibel.

Lukian von Samosata

Nicht nur römische Quellen schrieben über Jesus, sondern zum Beispiel auch Lukian, ein Satiriker aus Syrien. Er erwähnt die Christen im Zusammenhang mit Peregrinus, einem griechischen Philosophen. Peregrinus inszenierte – wohl aus Geltungssucht – bei den Olympischen Spielen im Jahr 165 seinen eigenen Tod durch Selbstverbrennung.

Lukian schrieb über Peregrinus:

Peregrinus sei von den Christen ‘wie ein Gott’ verehrt worden, er gelte ihnen als ‘Gesetzgeber’ und ‘Anführer’, nach jenem anderen, den sie immer noch verehren, dem Menschen, der in Palästina hingerichtet wurde, weil er diesen neuen Kult eingeführt hatte’ (Der Tod des Peregrinus, 11).

(zitiert nach: Jens Schröter: Jesus: Leben und Wirkung, Beck, München 2020, S. 28)

Lukian macht sich hier offenbar darüber lustig, dass die Christen so naiv auf Peregrinus hineingefallen waren und in ihm einen großen Anführer sahen, als er – vor seinem inszenierten Tod – anscheinend zeitweise Mitglied einer christlichen Gemeinde in Palästina gewesen war.

Den eigentlichen Gott der Christen, Jesus, bezeichnet Lukian dann nur abwertend als den “gekreuzigten Sophisten” – womit er meint, dass Jesus nur so etwas wie ein “guter Redekünstler” gewesen sei:

Kurz darauf spricht Lukian von dem ’ersten Gesetzgeber’ der Christen, der sie gelehrt habe, ‘dass sie alle Brüder seien … wenn sie die griechischen Götter verleugnen und jenen gekreuzigten Sophisten anbeten und nach seinen Gesetzen leben’ (13). Die Christen würden allen weltlichen Besitz verachten und alles gemeinsam haben, deshalb seien sie leicht zu betrügen, wenn sich einer bei ihnen bereichern wolle.

An Lukians Werk “Der Tod des Peregrinus” zeigen sich trotz der satirischen Darstellung folgende Parallelen zur biblischen Überlieferung:

Kernaussagen Bibelstellen
Christen verehren den in Palästina gekreuzigten Jesus. Matthäus 21,1 · Markus 11,1 · Lukas 19,28 · Johannes 12,12
Jesus ist der Gründer des Christentums. Apostelgeschichte 26,22-23 · Römer 8,29 · 1. Korinther 15,20-23 · Kolosser 1,18
Jesus hat das neue “Gesetz” gebracht. 1. Korinther 9,21
Christen sind untereinander wie Geschwister. Matthäus 23,8 · Epheser 6,23 · Offenbarung 1,9
Es gibt einen klar definierten Übertritt ins Christentum. Johannes 3,3 · 2. Korinther 5,17 · Epheser 4,20-24 · Kolosser 3,9-10
Der Glaube an Jesus verlangt anderen Göttern abzuschwören. Apostelgeschichte 14,15 · 1. Korinther 8,4 · 1. Thessalonicher 1,9
Christen beten Jesus an und leben nach seinen Gesetzen. Galater 1,3-5 und Matthäus 7,23 · Epheser 2,10 · Jakobus 2,26
Die Christen verwalteten ihren Besitz gemeinsam. Apostelgeschichte 2,44-45 · Apostelgeschichte 4,32-35

Der Text von Lukian zeigt die Ereignisse noch einmal im Gesamtzusammenhang: Er greift Worte von Jesus aus seiner Zeit hier auf der Erde auf (“ihr alle aber seid Brüder”), erwähnt seine Kreuzigung und beschreibt dann die Gewohnheiten der Christen nach der Auferstehung von Jesus.

Lukian zeigt auch, dass die christliche Bewegung von Dauer ist – etwa ein Jahrhundert nach Tacitus schrieb er, dass die Christen Jesus “immer noch verehren”, obwohl mittlerweile einige der Todesstrafe des Plinius zum Opfer gefallen waren.

Abschließende Bemerkungen

Auch beispielsweise die vier Evangelien in der Bibel selbst wurden von verschiedenen Autoren niedergeschrieben und ergänzen sich trotzdem gegenseitig zu einem meines Erachtens schlüssigen Gesamtbild.

Dass es nun auch noch außerbiblische historische Quellen gibt, die eindeutige Parallelen zu den neutestamentlichen Texten der Bibel aufzeigen, begründet für mich sehr gut, die biblischen Ereignisse als historisch anzunehmen.

Wäre die Auferstehung von Jesus wirklich nur eine Inszenierung gewesen, hätten ihn die ersten Christen dann auch zur Zeit von Peregrinus immer noch verehrt, obwohl sie schon einige Jahrzehnte davor unter Androhung der Todesstrafe verfolgt wurden?